in reinform

hier in raumzeit. im raumschiff durch die zeit. segeln wir sanft. sei eines geistes, sagst du. lasse keinen ausserhalb. dies ist kein wettkampf und keine belanglose nachbarschaft. hier treffen wir einander. immer im berührungspunkt. der ist mittendrin. im neuartigen denkanstoß. sieh nicht weg. das, was du bist, bin auch ich. und halte das für einen moment. lassen wir uns durchpusten. reißt es mir alles unter den füßen weg. wieder und wieder. fallen alle fluchttüren zu. immer wieder neu. immer wieder all in. immer wieder mit leeren händen. das, was nicht verloren werden kann, ist das was übrig bleibt. in reinform. das unteilbare. wir begegnen uns jenseits des treffpunkts. genau jetzt. die welt ist der schaukasten der unmöglichkeit. lassen wir uns im kreis drehen mit verbundenen augen, die zeit verspulen. dies ist der unmögliche tanz. und es ist gewiss, er führt uns heim. die landung punktgenau. im innersten herz. im walfischbauch find ich dich. dem urkokon. wo sich die totalität erneuert. in mir. in mir. kein ort, der ohne liebe ist. kein mensch, der vergessen wäre. deformation war nur meine eigene idee. in meinem hauseigenen unverstand. nun, in der gnade. in der gnade! ist das integriert. in dieser nicht-referenz von zeit und raum. in der totalen defragmentierung von sinn und bedeutung. bis ins letzte eck ausgeräuchert. nichts bleibt an ort und stelle. willkommen zuhause, freund. in dieser freundlichkeit.

lass deinen blick weich werden auf das harte

dieser boden ist ein keckes gefieder, in das ich schlüpfe. nimm es nicht so ernst. web an deinem zirkel und tanze ein wenig. webe und webe stück für stück. bis dies ein gemusterter stoff ist. ein anschauliches gebilde, welches du dir vorhalten kannst. aber zunächst webe, durch licht und schatten hindurch. geh durch die gezeiten. beherzige dies: zieh dir einen regenschutz an, wenn es regnet und stürmt um dich. liebe dich da, wo es regnet und stürmt in dir. schaue mit deinem wachen blick, lass deinen blick weich werden auf das harte. auf das gefühllos und kalt scheinende. schließe es nicht aus. schließe nichts aus von der flamme. sie erleuchtet den raum. und die schatten gestalten sich in ihr. das, was wir sehen, sind nur formationen. schrecken wir uns nicht. leuchten hindurch. und wenn der nebel ist, so ist der nebel. so konzentrieren wir uns auf das, was wir dennoch sehen. auf das nahe. bis auch hier der erste kräftige sonnenstrahl hindurchsticht. und du weisst ja, dies ist dann der anfang.

weich, so weich fallend.

von hier aus

da, wo wir einander treffen. in uns selbst. wo wir durch das herbstlaub streifen. uns im nebel tasten. uns der schimmer berührt. sternenwanderer, dein lautloser schweif, er hallt noch lang! verweile dort, wo ich dich kenne. wo du bist. das herz ist dein zentrum. verweile dort. wo ich bin. hier stehen wir. während es tobt. und halten das. und verlassen das nicht. von hier aus. von hier aus. gesehen. sehen wir. von hier aus. gehend. gehen wir frei. von hier aus. nur noch von hier aus. seiend. sind wir. im totalen raum. von angesicht zu angesicht. lieben wir. lieben die welt, wie sie sich uns zeigt. ganz individuell. und verzeihen uns ihre erscheinung, welche wir deuteten. verzeihen uns, wo wir nicht achteten. wo wir erwiederten statt zu lieben. so lass uns hier ganz sein. aus der hiesigen gänze heraus. von hier aus. bis überall hinreichend. diese stille ist frieden. diese liebe ist präsent. amen.

des meeres

marinaulaywas das meer tut. indem es unfassbar ist. indem es über den horizont kippt. suggeriert es das nicht suggerierende. das entspannende mitten in der spannung. ich denke an den gespannten bogen von marina und ulay, wo das vertrauen liegt. wo wir die absolutheit der liebe betreten. das meer, es ist in jeder nuance ein anderes meer als gehabt. und ebenso bleibt es dasselbe meer. das winzige im unendlichen repeat. in unendlicher variation. es füllt uns und leert uns. seine bläue, seine spiegelung des himmels. oder was war zuerst? was beansprucht es für sich, außer, das meer zu sein. wo beginnt das meer?, fragst du. ich kenne das meer nicht. und kenne es doch. das meer weiß, so wie ich weiß. in einer gewissheit, welche pur bleibt und sie selbst. auch im vergessen. es beginnt in mir, sagst du jetzt. es beginnt, wo ich beginne.

Marina Abramović e Ulay, The Other: Rest Energy, 1980

öffne dies

verweile doch, du bist so schön! schauen wir auf das verbindende. schauen wir auf das einende. so klein es erst erscheinen mag. zunächst. eine winzige übereinkunft, ein zusammengelegtes. blicken wir uns direkt an und in diesem blick erweitert sich alles. was wir auch vorhielten. war nur ein schleier vor unserem blick. ein schleier des unterschieds. der meinung. des selbsturteils. wir schauten nicht hin. schauten nicht tief. vertieften nicht uns selbst. tief tief hinein. sei still — und wisse. lausche. schmecke. sehe. öffne dies. in dir. wir sind ein teil des ganzen. wir sind zuhause.

verweile

sei still — und wisse. sagst du. sage ich. du bist ein grenzenloser gedanke. ich bin ein grenzenloser gedanke. der würdigkeit selbst. die gegeben ist. die sich überall ausdrückt und reflektiert sieht. weil wir sind, ist die reflektion. ist das denken. es gibt hier weder geben noch nehmen. weder meines noch deines. weil trennung nur eine ganz schön befremdliche idee ist, die nur in der fehlwarhnehmung meinerselbst, deinerselbst überhaupt möglich ist. sie ist instruiert. nun, es liegt in unserer natur, dass wir uns selbst geben. wir geben uns hin. verschenken uns. wir sprühen! und indem ich deine gabe annehme, bestätige ich deine unverletzliche vollkommenheit, aus der dir kein teil abhanden kommen kann. es ist unmöglich, etwas von sich, von der grenzenlosigkeit selbst, zu verlieren. es gibt keinerlei abwesenheit da drin. indem ich es weggebe, erkenne ich, dass es da ist. indem ich es annehme, würdige ich es. reflektiere in meiner dankbarkeit das vollkommene geben. es abzulehnen, ließe mich dich und mich selbst zugleich abweisen, wäre ein verneinen des gegebenen werts. die dankbarkeit ist das mittel. in dankbarkeit zu geben. in dankbarkeit zu empfangen. was ich habe und was ich erhalte, ist was ich bin. ich verschenke mich bedingungslos und nehme bedingungslos an. ich nehme dich bedingungslos an und mich zugleich. nicht, weil es ein austausch der wertigkeit sein kann, sondern weil in diesem annehmen und geben alles ist. in dieser vereinheitlichung. dies ist alles. diese begegnung mit uns selbst. in uns selbst. wo sich die trennung aufhebt. weil es sie garnicht geben kann. es ist dieser spontane augenblick. in diesem spontanen ausdruck unsererselbst. dessen, welches gerade lebt. das leben selbst. sei still — und wisse — ich bin. in diesem wir, verweile! Gott ist.

immer ganz nah. unmittelbar.

und die wehmut ist es, die einen abschied meint und ist schon im abschied, bevor er kommt. im jetzt verwandelt sich die wehmut in demut. jetzt ist der augenblick der vollständigen schönheit. das bedeutungslose führt tatsächlich ins bedeutungsvolle. Gott ist in allem, was ich sehe. die heiligkeit selbst in jedem ding, das pure glück im geräusch des trippelnden regens auf der windschutzscheibe. in einem schrei des falken. wir sind die heiligkeit selbst, welche sich selbst erschaut und sich begegnet. immer jetzt im angebot. immer ganz nah. unmittelbar. und alle großen ideen der zukunft, der inszenierung von form und gestalt. von sinn, welcher in einer entfernung liegt. von der realisation der dinge. sie zerfallen in der demut des augenblicks. der gänzlich liebevoll ist. nichts, was nicht wir selbst sind. worin wir nicht sind. keine begegnung, welche nicht ein wiedererkennen birgt. der liebevolle blick sieht es. er enteignet alles und heiligt es zugleich mit mir. in der aufrichtigen liebe, in der nur die heiligkeit selbst lieben kann. wie sie jedes ding liebt und jeden anblick. das ist die poesie. die gegenwärtigkeit. das sein pur. in der direkten inspiration. der spontanen kreativität, die nichts vorhat, als sich zu geben. sich hinzugeben. das leben selbst ist anwesend. war immer am vereinbarten treffpunkt. zu jeder zeit. in dieser verneigung vor der anmut des seins. der güte, welche aufleuchtet in jeder noch so verkannten geste. danke, für diesen geschmack. diese berührung. es dämmert. ich bin wach und sehe. wir haben die gabe, zu lieben. es ist das, was wir sind. zu lieben, was wir sehen. als uns selbst. weil es aus uns selbst ist. das ist heimat. das ist frieden. so ist es der liebevolle blick, der das liebevolle zeigt.

in der perfektion

ein präsent aus der vollkommenheit an die vollkommenheit selbst.
es ist ihr selbst, das geeint ist.
nicht von ausserhalb, nicht aus einem fremden herzeigen.
nichts anderes vermag das zu sein, was du gibst.
nichts erfüllt es, nichts erniedrigt es.
wirst du es anehmen? es ist das wunder,
welches beizeiten geschieht.
welches in der wiederspiegelung der liebe umfänglich geschieht.
und nur in ihr gesehen wird.
verneinst du es, so verneinst du dich selbst.
wirst du es in dir erleuchten? das erinnert mich an rilke,
der die reihenfolge kannte. und auch das verglühen
ist integriert. es ist die skala an sich,
die verkehrt ist. verkehrt herum gesehen.
eine skala der selbstbezeugung. und der selbstbeweihräucherung.
beides ebenso irrig. den finten der bewertung nach.
der umsetzung. was will hier noch realisiert werden?
welchen äußeren wert halten wir noch darin hoch und variieren ihn?
die vollständige werthaftigkeit ist gegeben!
sie ist vorausgesetzt. und allumfassend.
und genau hier begann einmal der trugschluss,
der eine suche auferlegte oder ein vorankommen.
wir sind es. von anfang an. waren nie in der abweichung.
keiner von uns. auch nicht derjenige,
welcher als der letzte begriffsstutzige erscheint.
das urteil ist es, was uns trennt. der winzigste gedanke,
in welchem wir unterscheiden und bemessen.
wir zeigen uns selbst an.
schau noch einmal wie die blüte. wie das laubblatt,
wie anstrengslos und unbedarft alles geschieht.
ohne den kleinsten ansatz von konzeptuellem denken.
von verbesserungsvorschlägen.
du bist hier. sowie ich. und auch sonst fehlt keiner.
wenn wir das begreifen. wenn wir diesen wert begreifen,
und das vollständig anerkennen als der eines jeden,
dies ist der blick, in welchem wir einander in ebenbürtigkeit erschauen.
als einen spiegel unserer selbst,
der vollkommenheit an sich, die aus allem spricht.
in diesem ausdruck hier leibhaftig verkörpert.
in der totalen perfektion des höchsten gedanken.
dies ist die feier!

unser aller

was wir sind. ein geist. ein kooperariv. ohne eine ausnahme, grenzenlos. in diesem wir zu denken. in diesem unser aller. unser aller gut. keiner wird darin vergessen. im wirrwarr von scheinbarer gegensetzlichkeit. von meinungen und positionen. wo wir auch stehen. jeder an seiner stelle im gefüge des gesamten. immerzu eingefügt und integriert. nicht eine irritation, die auszuschließen wäre von der totalität der liebe. und wenn auch jede variation gleichermaßen verirrt erscheint, so offenbart sich im selben aufleuchtend eine liebende sicht. diesen blick zu halten. bis sich das letzte zweifeln noch erleuchtet. es geht nur, ganz zu lieben. ohne eine vorliebe. an jeder stelle gleichermaßen. wie der nachtvogel herrlich singt. so singt er für alle. es bewegt sich ein jedes für sich selbst und für die alle zugleich. erinnerst du dich? wir gehen aufeinander zu und zu uns selbst zugleich. so wirken die gegebenen kräfte der sicht. der umkehr. im geiste, der das erhellt. bis in den letzten winkel hinein. so zeige mir, was noch verborgen ist. was wir noch verheimlichen. und auch dies entpuppt sich. die schönheit ist aufrichtig, weil wir die schönheit aufrichtig lieben. und schönheit war nie etwas anderes als authenitizität. und wenn wir den kummer noch hochhalten und die ausnahmen. wo wir noch nicht einverstanden sein können. das akzeptieren noch wehtut. weil wir es verwirklichten. so gehen wir noch drum herum. schleichend vielleicht. nicht, dass es erwachte. wisse: unsere heiligkeit ist nur in der täuschung negierbar. lassen wir uns ergreifen und erweichen, in einer umfassenderen sicht der demut. welche die würde eines jeden beinhaltet. reichen wir hände, durch die verwirrten nebel von unterschieden hindurch. lieben, was unser gegenteil zu sein scheint. in der geistesgegenwart. verweilen wir darin, bis der letzte glücklose funke aufbricht. God is love. So am I.