und die birken stehen fragend da

derrida_postkarte_seite83
„der erste satz wird ganz von allein kommen, denn es stimmt wirklich, daß in jedem augenblick in unserem bewußtsein ein unbekannter satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden.“
andré breton

der leitfaden oder leitwolf ist ein zerfetztes kleid. mitsamt der ausradierungen und auslassungen. deine postkarte / symbol deiner abwesenheit (lacan). und unsere briefe, wie sie ohne anrede (ausrede) sind / wohin wir schicken. und indem wir schicken vergessen wir. und was wir missen liegt offen da / siehe, the purlointed letter. die sechsundzwanzigfache wahrheit der kathedrale sehen (cixous) / „sie schien entweder blau oder rosa oder gelb.“ (monet) und die reihe der birken, an der zahl, stehen fragend da / den weg lang. die zeit steht nicht still / wie sie sich wandelt und färbt / le portail au soleil ou au temps gris / ich meine, die zuenen offenen tore. der atem geht durch wände. und so vielblättrig die wiesen im tal / jene heroischen wiesen unter dieser sonne jetzt, sagst du. im zeitraffer. und der eindeutige daumen / abgewetzt und stellvertretend sein zeigen / manipura, im sonnengeflecht / dem weitreichenden juwelensee / soweit das auge reicht, des ungebändigten auge mögliches. und mit ideenlosigkeit meine ich den überdruss an ideen / des zuckens in jede aufkommende richtung. wenn der see so vor mir liegt, sage ich an seinem ufer hockend, bleibe ich noch und schaue das licht, welches über ihm, dem see vergeht. im leibhaftigen herz / seiner vergötterung / schaue die spiegelungen der wolken und seines randes, wähnend seine tiefe unterhalb seiner fläche an projektionen. und kann ich mich zu nichts entschließen / der einfachheit halber sage ich mir, es sei, weil ich schon da bin / und dass auch der see sich in mir spiegelt und vielleicht ähnlich verwirrt ist darüber.

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den wind in den bäumen zu merken

und again scrolled / das tränengeformte blütenblatt der roten rose / ein tropfen von blut. was wollen jene rosen? und zwillingspaare / allumwunden / die knospe die stirnfalte. einst im garten eden / denn was wir brauchten: den wind in den bäumen zu merken / „suche es auf der heide“, sein durchwehen (van gogh). zimmer eins und elf / unterm zwillingszelt. immernoch innerhalb der dramaturgie des vorspanns. ich meine, jene vorkehrungen bevor dir story. es bleibt bei diesen szenen des zurechtrückens / im einsingen. und deine handschrift. in frieden, sagst du / sage ich, in den stürmen. die gehobenen fäuste sind eingehalten / an solchem ort, der alle orte darstellt. im winter also, sagst du, erst im winter, wird es leicht. the moon tablet und der große wagen. in den höhen / höhere gewalten / und auch die helden weinen.

die male

dieser scheinheilige text / aus dem rücken wachsend, sagst du. die stille und ihre fliegen / unter den rauschenden bäumen / welche silbrige birken / bethula, die jungfrau. vom wind gekämmte wiesen. im heutigen sommer. und in den liedern schweigt das rosenrot. die linden blüten umher / in die rinnen des betonpflasters / die male bzw. verzierend die höfe / und dein vererbtes grübchen / andeutung des kreises. das hier, der zähe und ewige strang, will seine glieder weiter verwickeln / im abschnüren der eigenen hälse / in den wüten das schütteln des gewandes. der text will sich gefährden / will eskalieren und mit den gedärmen der ausgenommenen fische in die stäube gemehlt. und so taub und nutzlos daliegend / sein keimen und knöcheln unter die erde.

die gesichter und hergebrachten zentren

wie du nicht mehr im bild bist / und wieder darin auftauchst / um erneut zu entgehen / ganz beiläufig. und das schwesterkind. eine zweite. im mandala der dahlien / sahasrara bzw. tausende speichen, des sich windenden rades. die stare um die büsche zirkulierend / und schon grüne hagebuttenfrüchte / where the wild roses … und du kniest und dein zugeneigtes antlitz sprüht das rouge. und in den dichten juwelen, smaragdgrünes leuchten. wie sie ihren schlaf schläft, die ewige schlange. wie sie ihre träume träumt. ich meine, ihr weisen zur tür hinfort / schaue in die gesichter und hergebrachten zentren. harre, am richtigen ort dieser stufe. die sonne anhaltend in ihrer hitze / die ganze sonne / ihren strahl inhalieren. und überkreuz – keine reihenfolge in der zeit / keine verschiedenheit des ortes. still hörbar, sagst du, das weiche herz des lebens. unser anrufen und knistern. das begehren sagen / „im lebendigen des lebens schreiben“. (cixous) und knackend, die blüten der linden und die gekoppelten lindwanzen im kleide, dem gefieder.

im tang des winds

feldwiesen.jpg„wir mögen uns häufiger aufschwingen und losfliegen, aber das bedeutet nicht, dass wir das ausharren überwunden hätten.“
maggie nelson (nach william james)

nach der inneren rötung des feuers / durch das stiftende maisfeld. sein knistern. aus dem letzten winkel die sonne / das korn in ein solches gold und die augen / verewigtes blau der kornblumen am feldrand / die triftigen fenster. und an jeder ecke des waldes hinter jedem der bäume lauere ich dir. „das nichts am ende des schreibens.“ (n) die tönerne erde. miss you durch den regen, sagst du, und die schultern, die den sommer trugen / guckst schon den spyren nach. im gestreift werden. abermals im kreisen des schwindels / ich meine um mich die zenrifuge / die wirren / während ich nur immer weiter rein kann, oneway. der schwindel, der mich behält / inside. unterm saugenden scheitel der virtualität / nämlich immer blinder für das zimmer, die wände, eure stimmen. dein name, der ist. und wie der rausch mit seinem vorschießen vorausging / in seinen vorworten. ich sehe die naht an deinem hinterkopf / wo die haare sich seitlich legen, in einem kranz. und abermals das display zersplittert / ich meine, das laufende bächlein, schmal nebst dem weg, in ein angestautes wurzelbecken, ehe es fortläuft. kemnat am weltenrand, wo die wiesenstücke unter dem verdunkelten himmel. und die bräute in ihrem kostüm, dem federkleid eines schwans. an der panoramaschlucht / sogar die blechere glocke zeitigt den nahenden guß, schon einzelne tropfen und haseln / in diesem umbrechen & unterwandern. während die blassen graureiher auf der blassen wiese aufstieben und ihre weiten runden. und kreiselnd auch die hälse der sonnenblumen im tang des winds. between us. mein narzistisches du. bin ganz verkantet / in der celle / im suchbild einer beliebigen baumkrone. und die wiederholung / die drei bodenplatten / plateaus, welche stufenweise / in den bewohnbaren text / seine generationen / conversation is desire (kelly). und die winde / stehst du unangetastet, während der ganze boden schwankt und sich alles dreht / alles in seiner neigung / wo der wind seine flügel und fühler. und selbst das korn fließt unter dem wind. und ich lausche. inmitten des sturmauges / unterhalb der sturmhöhe. durch diese weiden / die weichen. in einem erliegen. in einem einzelnen punkt.

im ausgenommenen raum / üben und grasen

„alles in dem nahen dort ist meines, alles ist mir fremd: alles, was ich in seinem teig aus nacht erstmals unterscheide, erkenne ich wieder. die welt vor mir, so groß, ist inwendig, es ist das unermesslich, grenzenlose leben, das hinter dem begrenzten leben verborgen liegt.“
hélène cixous

und auch im steigen der herkunft / die lähmung halbseitig / bzw. im ausgenommenen raum / torsos des geschlachteten ochsens, welcher ohne eingeweide. und also mit verstohlenem blicken / innerlich und äußerlich zugleich. und da kommt sie, die sonne und scheint aufs ohr / mein haargold / und weist die schatten. stimmen der täglichen porträts / wie sie üben und grasen. ein vorankommen sowie einsacken der schritte / auf weichem unreifem grund. und abermals mit tusche beschmiert, die wände und das wischwasser & weihwasser der restauration. und was ritzen scheinen, werden krater. und dann dein anruf / schwappend von südlich der alpen / als ein nebengetretenes, verwischte kontur / ehemaliger & zukünftiger süden, gerade aus der tür. ich meine, hier wo die vorgärten und in der nacht, die nicht schwarz ist. und unterdessen schleppst du anderer die alten lieferungen / die unzählig verschnürten und geradeso schulterbreiten / entsorge sie ungesehen. du, die pfeilspitze der herkunft / ihr beugen in dir.

kommen die stimmen und die zettel

die haltbaren früchte und wie sich das tuch ent-wickelt. vielleicht in einem säuseln und summen / schwärme von fliegen / im autobahnwald. ein stück von dir brennt in meinen spitzen schultern / das tagealte wochenalte lebensalte straucheln. während des transports / auf den wegen und den weitläufigen strassen / saqb´e. der zittrige wagon kratzend auf den schienen / der die güter / meine güte. und wenn ich wieder verleumde, kommen die stimmen und die zettel. der in sich hinein regnende regen, sagst du. von mir aus gesehen, sage ich, der regnende sich regende wald. in einem verausgaben. wende dich wie das blatt / heute in eine milde / verminderung.