immer wieder dieselben urteile über mich und dich

diese erzählung ergibt keinen sinn. keinen mitlaufenden. jeder satz erzählt für sich allein. am seidenen faden. in die seide gestrickt. und in seiner gewissheit und gültigkeit, muss er erfunden werden. und abgerollt. von mund zu mund beatmet. immer weiter gegaukelt und bis zur unkenntlichkeit deformiert. bis er zu sich selbst zurückkommt. und sich selbst erzählt. heute morgen warst du ein satz, ein satz in mir. einer, der in berührung kommt. der die lippen zerbeißt / mich nervös macht. und ich verhielt dich und deine pracht. es ist nicht zufällig, dass heute morgen aus dreierlei fiktiven quellen von wirbelstürmen die rede war. deren mittelstück mein geist ist. mein geist, der wirbelsturm / der vorstürmende / der rückgewandte. ich bin mein faden, hänge dran. bin mein stück. ich kann mich nicht verlieren, steht da der satz, als er gesprochen ward. alles ist schon da, folgerichtig und vollbracht. und ich stimme zu. immer wieder von vorne. und immer wieder dasselbe erinnern. immer wieder dasselbe erblinden. dieselben urteile über mich und dich. dieselben irrfahrten und gelübde. dasselbe vermeiden, hungern und dieselbe panik. und nun now: erinnere ich mich erneut. die erzählung stimmt schon überein.

hinter der seide

du sagst, die stille sei die stille sei die stille. in einem endlosen traum. in einem wachenden traum. und die antworten. und die fragen. sie kommen. sie fragen. und sie antworten. und der kalender. und die uhren. und die gefühlte zeit. und dein gesicht. und sein fragen. und sein prüfen. und sein starren. es ist noch nicht mal genug hell, jetzt. um irgendetwas zu erkennen von hier aus. wohin noch verstecken. wohin noch. in die traumbilder. die urbilder. die legenden. es ist spät, sagst du. und es ist früh genug. das ewige paradox, das mich wachhält. das mich wahr hält. alles auszusprechen, was du sagst. lose form und loser kontext. kein überwachen! (ein wenig noch.) der text ist ein knäuel, ein sanft verwickeltes. und es ist kein rätsel zu lösen. es ist nichts zu entwirren. es ist. ich hätte mitgehen wollen, sage ich leise. nun ich bin hier. geblieben. hervorgekommen. die tiefschürfigen puppengesichter. die ganze wut, die aus einem kind bricht. die lebenswut. der aufruhr. nicht noch mehr grenzen. ich sage: an das geschehnis / das hergaffende gesicht aus dem allseitigen / hinter der seide. dessen gütiges wüten. dass die ladung überschäumt. von dir unterwandert. denn im dunkel, wenn das pflaster rollt. wenn auch die tiere von einem fuß auf den anderen, wache auch ich. und erwarte einen schlaf / sein locken.

zwischen den rasenden aufspringenden wolken

wir sind uns nah auch fremd. bekannt ungekannt. weither verschworen. das ersehnte ist bereits erbracht / angesprochen. sprechen ist gebärend, sagst du. in inniger sprache. symbol und tor. ich stelle mich schlafend und meine atmung verrät das wachsein. ein nächtliches tuscheln. und oris gürtel zwischen den rasenden aufspringenden wolken / zum vorschein. all die fluchten in den moment, sagst du. antworten in deinem namen. ein aufmachen und aufheben des abschätzens. und des niederstürzenden baums aufkommen: das gesamte tal erschütternd und erschallend / das zurückgetretensein der männer. und die meisen auf nächstem ast. du erzähltest vom schwert und dem scheiden und der allgegenwärtigen rose.

heuer

das erste mal wieder im gras liegen heuer, sage ich in einer vertrauten sprache. im noch spröden gras, das von der sonne erwärmt ist. der boden unter dem gras drängt seine kälte hoch. schon ein einzelnes summgeräusch. und ein heranrollendes stürmen von weit her. und schon fangen die hiesigen gestänge, wo noch blätter sind, an zu rascheln. im vorauseilenden. in einem vorgeschmack. ich liege im rhönschaf. ganz umfasst / bin verbannt.

im bild sein

das oben entspricht dem unteren, das unten dem oberen, sagst du. zirkumpolar / um den pol in einem kreisen. die sieben gestirne / die sieben heiligen / die sieben erwachten, die erneut entschlafen nach ihrer botschaft vom überleben. ich meine, die höhle ist das all. ein dach macht kompakt und schrumpft zusammen ins innere, unsere herkunft. das all ist im inneren zu finden. immer wieder ein zurückkehren und herkommen. unter den freiem himmel, wo die ausbreitung / das hier: den himmel überm schädel. in die weite / die dehnung, das spüren von körper, im bild sein. und wenn du dich traust, die arme zu strecken. wenn du dich traust, nach oben zu sehen. in den himmel über uns. wenn ich meine geflügelten hände auf deine brust lege / meine hände, die zu mir herüberführen. wir sind nahe am anfang. an der stelle, an der zusammenkunft von stille und ton, sagst du. dort, wo wir inkognito warteten. immer gemäßigter wurden. leg das ernste gesicht ab. die angestrengten augen / ihre konzentriertheit. in der verlegenheit eines kindes, das etwas angestellt hat. über eine sache, die mißlang. ein sich irren. es ist kein erwarten mehr. ist ein geschehen. zum ursprung hin. zum zeugenden und behebenden feuerfeld. wo alles vertuschen rückgängig zu machen ist. das ganze grämen. du bist eine ikone. ein fremder wächter.

der angriff findet nicht statt

dem mond noch morgens begegnen / einen abschluss finden – wie es sich gehört. begrüßen und verabschieden. ihn noch beim abkehren zu erwischen. es mag unsere wölbung sein / unsere abkehr. der mond sei der spiegel unserer position und auch er wendet sich. unterliegt manchmal. im universum gibt es kein oben und unten. es gibt vergleiche von größe, von kräften. relativ oder absolut? wir verstecken uns hinter dem mond manchmal, aus einer ganz bestimmten sicht. diese vorstellung ist befremdlich und zugleich bergend. jetzt ist der mond ganz gelb. und am sonntag ist wieder vollmond. und die karenina ist zurück. ist unversehrt. heraus aus dem roten leinen. meine worte, sage ich im flüsterton, sind nicht von dieser welt. die illusion ist ein spiel, wenn auch ein schmerzhaftes. der schmerz ist echt. die gefühle sind es. doch nicht ihre anlässe. die gefühle sind blasen des vollen. hinter den trennwänden … sei nicht angegriffen, sagst du. der angriff findet nicht statt. sieh den schmerz und entschließe dich zu einer anders möglichen sicht. sieh die gänze. den währenden und gewährten schutz. und immer wieder probieren wir den tag. in einem nahezu. immer wieder kommst du zurück. magie ist bestätigt. in unserem ewigen zwiegespräch sagst du, es gibt nur das liebevolle. und ein abdriften davon. ein irren. wie ich dich abschüttle. und die idee von dir. nun erkenne ich den blanken boden in seinem mysteriösen muster aus spänen. wirklicher war er nie für mich als jetzt. und der große wagen, der sich wiederholt. er ist kein eigenes sternbild, sagst du, und ist zirkumpolar. der sporn am himmel.

selbst wenn

„die verneigung vor der blume ist möglich. der vogel im gezweig ist ansprechbar. (…) unsere schultern sind für den himmel da, und der zug zwischen der erde und ihm läuft nur durch uns. (…) das haus der kraft ist das gesicht des anderen. (…) euer arbeiten soll ein wirken sein. gebt weiter! weiter geben tun aber nur, die lieben: liebt eines, es genügt für alles. dich liebend, erwache ich zu mir.“
peter handke

es ist immer aufs neue die wahl zwischen liebe und hass. sich umzuentscheiden, wenn die erste wahl das urteil über dich oder den anderen war. zu urteilen heisst, sich zu trennen. und das ist es, was ich mit abwehr meinte und widerstand. und mit den grenzen, die du schutz nennst. wenn du dich vom anderen trennst, so trennst du dich auch von dir selbst. von deinem gefühl. es urteilt nicht. das ist dasselbe sträuben. ein märtyrer zu sein, sagst du. ein wählen von kampf, von verteidigung oder angriff. in einem alten trotz oder einer arroganz. und es ist ok, dass du diese strategien zuerst wähltest. jetzt aber kannst du dich neu entscheiden. und jetzt auch noch. die sonne kann jederzeit aufgehen. voll und nah und wirklich. sie ist immer alt und neu und unvoreingenommen / geradeerst erwacht. und kein blättlein regt sich / kein wind fragt. die vögel sind leis. du nimmst den weg zurück, ein paar schritte. selbst wenn.