nebst dem deinen staub

„im zentrum des brahman-schlosses, / unseres körpers, befindet sich ein kleines / heiligtum in der gestalt der lotusblume. / darin befindet sich ein winziger raum. / wir sollten entdecken, wer darin wohnt, / wir sollten wünschen, ihn zu kennen. / der kleine raum im herzen ist so groß / wie das große weite universum. / der himmel und die erde sind darin, / und sonne, mond und sterne. / feuer, blitz und wind sind darin, / und alles, was da ist, und alles, / was da noch nicht ist: / denn in ihm ist das ganze universum. / es wohnt in unserem herzen.“ chandogya-upanishad

so ist das geheimnis, das schloß im herzen selbst und all sein zugang darüber. und der ganze widerstand, die wehre, die zwischenwände. sie werden zu den dünnen vorhängen, wo sich in lazaretten die verletzten und erkrankten in ein- und demselben schmerz winden / durch alle zeit. der anstand gebiert privatsphäre. zumindest ein widerstehen, dass ich nicht über dich herfalle, deinem intimen ins auge. immerhin hast du dich mit den blättern tapeziert, welche deine scham großzügig vertuschen. schämst du dich immernoch, weil du alles sehen und lernen wolltest und man dir weismachte, dass du damit enttäuschst. hälst du immernoch an der idee fest, dass du es nicht verdient hast, geliebt zu sein und dass deine liebe nicht würdig ist / genauso wie ihrer keiner würdig genug. wo die wirklichen tore unangefasst bleiben. sie durchdringt ein leise geflüsterter atem, oder ein ausgehaltener blick / als ein ergriffensein von der totalität. wehrlos / so liegst du in deinem schlaffen körper auf dem boden und ich soll deine arme bewegen. dass ich als dein körper tue / so kleide ich dich ein. und indem ich erkenne, dass ich mir hier helfe, genau an dieser stelle, indem ich zu dir wachse und dabei nicht etwa verschwinde, vielmehr bin ich umso weiter in dieser dehnung. als äther bleibe ich in jeglicher form ich selbst. so gebe ich den widerstand immerwieder auf. all die abwehr, als eine vertuschung der angst davor, ausbluten zu können = diese wunde zu sein. also nicht ehrwürdig genug. was ist, wenn ich dir sage, dass wir unverwundbar sind. und, dass kontakt zu probieren, kein einsatz ist, den du verspielst, etwa ein nimmerheilender. denn dies markiert allen kampf, sich erst profilieren zu sollen / in einer ewigen vorbereitung. ich verlasse meinen posten als der wächter aller trennung / gebe meine verteidigung auf:

indem ich dich jetzt sehe, in deinem schlaffen körper auf dem boden, in deinem lazarettbett, sehe ich jetzt mich. indem ich dich jetzt liebe, in deinem schlaffen körper auf dem boden, in deinem lazarettbett, liebe ich jetzt mich. du bist immer genau an der richtigen stelle für mich: wo dein schmerz jetzt ist, in deinem schlaffen körper auf dem boden, in deinem lazarettbett, ist jetzt mein schmerz. und indem ich dich genau DA und JETZT sehe und liebe in diesem schmerz, sehe und liebe ich mich genau DA und JETZT in meinem schmerz. und wo du jetzt heilst daran, heile jetzt ich daran.

in jeglichem wollen liegt der irrtum / so liege ich jetzt zu dir nieder, erliege / willenlos in den staub aller stäube, nebst dem deinen staub. wo du erst beginnst, in die wunde zu wachsen und sie zu vertuschen. wie du dich trotzig windest vor der identifikation. du, mein trotziger lehrer / demütig vor dir, meiner umkehrung / umkehrbarkeit.

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