du hast die welt erfunden

nackt zu sein, also nackt zu sehen. du sagst / wir können einander nichts antun. nämlich die feinsten glassplitter zerstäubend / sich prägend in die hand- und fußflächen. im zerspringen des uhrenglases aus hauchdünnem silber / des spiegels und funkels voreinander. die wände, sie seien letzlich nur staub, sagst du / im hindurchgehen. wo der luftdruck die staubwolke über dich und um dich / im aurenstaub / mit siebenstrahliger sonnenkrone. du hast die welt erfunden, die du siehst, sagst du. und mit wieviel zärtlichkeit und schönheitssinn schuf ich sie. du g., den ich heute von allem vorwurf freispreche, den ich an dich hegte. und abermals. und wie wir uns beobachten / aus der distanz. noch gerade eben betraten wir die bühne, flüsterte ich dir die metarmorphosen ins ohr / auf der autobahn. und jetzt stehst du am feuer und starrst in die flammen und fragst: warum gerade ich? in den 22 mails. den 22 min. um 22:22. mit 22% akkuladekapazität. nur zwei schritte. lauter häften. und ihre hüftbewegung / die fanfare.

en passant

„der mönch hat viele und fremde gedanken gehabt und sie waren bei ihm wie eine schar von gästen; da kehrt er endlich wieder zurück (…) und der möch wird licht in seiner tiefe und fühlt sich verschenkt an alle dinge und allgegenwärtig auf jeder freude, wie der glanz sich weiß auf allem golde der welt.“ rmr

du, mein spirit, welcher gestiegen ist in die form / sich zusammenballt und darin sich wandelt immerzu. ob sich mein schweigen kunstvoll in falten legen lässt? zum mund hinaus und in die ohren wieder hinein, die stimmbänder. so sagst du. ich lege dir einen weichen schal um den hals wie einen kranz und einen altarstein unter die füße, der dein sockel sei. verbrenn ich dein kerbholz dir, der noch kein feuer fängt. der noch halb lauscht und hinüberblickt, was geschehen mag. so bin ich auch dein raum. das ist und war der einzige und weitoffene raum. während die tiere an diesem morgen auf dem weißen gras wie standbilder. und immer mehr verwischt sich das du. zurecht tauscht es aus. meint jeden von uns, ohne eine ausnahme. das ist das ‚all in‘, von dem ich mal sprach, das ‚eigentlich’. ohne jeglichen ausschluß. und es ist kein fehler, in der scheinwelt zu spielen, im lebhaften spiel, in ihr ist jede gewünschte rolle spielbar. der ergiebige tonklumpen. und wenn wir hochzeithalten dann jetzt mit dem passanten auf dem podium, und wir erfinden den text, der jetzt gilt und damit für immer. da ist keine prüfung, keine sperre des rechts. wenn wir die wiese heraufrennen oder in den strähnen einer eichenwurzel schutz und zuversicht finden. in dieser bestimmten konstellation des augenblicks. so sind wir damit alles, was es gibt. und das ist beständig. das allein ist der raum und das zentrum der macht / das ganze bild.

vor mich hin

ich nenne dich „was auch immer“. um keine irrtümlichen namen zu nennen. um keine ideen zu reichen. noch getraue ich mich nicht so ganz ohne vorbehalt deinen namen herauszubrüllen, in den weg zu ritzen, in einer tollkühnen weihe. mal flüstere ich ihn leise in ein ohr / mal grinse ich oder summe ihn vor mich hin. schon fast ist dein name das einzige wort, das in allen wörtern spricht / das sich bekennt und verkündet in meiner geläufigen sprache / partitur.

der in allem ist

die neuen geräusche. der tiefhängende nebel. vor dem ausguck. auch ich sei deine gnade, sagst du, der in allem ist, was ich sehe, weil du in meinem geist bist. unser äther. und indem ich dich begnadige, begnadige ich mich. es ist immer dasselbe karussell, welches nur vermeintlich im kreise herum führt, als ein bild von bewegung. denke: es ist bereits vollbracht! / schon „immer bereits so“. und alles ist das lernen = das erkennen dieses einen gedankens, und damit sein unmittelbares verwirklichen.

alles neue rascheln

„nur eine schmale wand ist zwischen uns, / durch zufall; denn es könnte sein: / ein rufen deines oder meines munds – / und sie bricht ein / ganz ohne lärm und laut. / aus deinen bildern ist sie aufgebaut. / und deine bilder stehn vor dir wie namen. / und wenn einmal das licht in mir entbrennt, / mit welchem meine tiefe dich erkennt, / vergeudet sichs als glanz auf ihren rahmen. / und meine sinne, welche schnell erlahmen, / sind ohne heimat und von dir getrennt. / wenn es nur einmal so ganz stille wäre. / wenn das zufällige und ungefähre / verstummte und das nachbarliche lachen, / wenn das geräusch, das meine sinne machen, / mich nicht so sehr verhinderte am wachen –: / dann könnte ich in einem tausendfachen / gedanken bis an deinen Rand dich denken / und dich besitzen (nur ein lächeln lang), / um dich an alles leben zu verschenken / wie einen dank.“
rainer maria rilke

so will ich mich von euch finden lassen, sagt er. der götze und abgott. ich mache ihn unkenntlich, tilge seinen namen, sein symbol. ich nenne ihn g., „der durch den dreck gezogene“. eigentlich ist das alles schon geheilt. schon längst, eigentlich: also jenseits des drifts zu allen seiten. der flucht vor ihm, gott und seinem tadel. noch schlimmer: das verbergen vor seiner güte. wir spielen hier das spiel des wegs in zeit und raum, des beschwerlichen wegs zu ihm hin. wir brauchen sein bild nicht, sagen wir, um uns in seinem bild zu erkennen. und zögern es hinaus / ins jenseits vielleicht, als gäbe es zwei seiten und eine tür dazwischen. als gäbe es eine wand überhaupt. als sei tod und sei leben ein verschiedenes. das Y / die wünschelrute / hat schon seit anbeginn (von?) nach oben gezeigt, zur quelle hin. nicht nach rechts oder links auf direktem wege zu dir rüber / sondern durch alle täler und windungen, schneller als lichtgeschwindigkeit, in jetztzeit in diesem gefüllten dreieck ohne ein ende, ohne eine richtung. sehrwohl in einer ausrichtung / kalibrierung der rute. das ist ein einschlag. vom mönchischen leben, ich meine „nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut.“ (r) leichtfüßiges stolpern in solchem kontext und doch dermaßen pur. straight, den einstiegsweg entlang, wo die wiesen den hang hoch. und die breitwangige eiche zu tale / die krempe / das portal. und die turteltauben. der reale wahnsinn. wundergesinntheit. und besingend. ist ein summen dieser art. ist ein schauen. die jahrestage, die ringe, das umblättern. in die wahrheit des tagtraums. „am abend des 20. september als nach langem regen sonne durch den wald ging und durch mich.“ (r) alles neue rascheln. das was ich schreibe ist ein uraltes zitat, ein ewiges gebet. die große dauer redesigned. in utero = retro, immer neu verkündet. in anderen worten des ein- und selben wiederholten satzes. das ist das einzige brot, das ist der einzige ort. ich meine, der von sonnenlicht zerschnittene nebel rundum. in seine fasern. was jetzt zu sehen ist: den eigenen geist. rundum. nach innen nach aussen, in aller ausbreitung und reflektion. gelegt in die hände von lou.

ich meine, der rotwangige apfel

kame bzw. tag eins+. jenes tuch, beiläufig zusammengefaltet, um ein geländer gelegt. ich weiß nichts darüber. das trifft ein. so kann ich es sehen, lose für sich und unabhängig in seiner form, der möglichen gestaltung. living coral, sagst du, sei die farbe. aus den slogans die gebete / das erbeten. oder die vollkommene uhr / in der übereinkunft (nomos), translated. und die chöre von coral / der korallenen gewissheit. von hier aus. im offenen meer in offener form. ich meine, das angefasstsein hört nicht auf. die geschmeckte hostie. und der angefasste feind / medley hostile. völlig austauschbar, die repräsentanten von wirkung. so far & so close. du und der schwarze hund, bist in gewahrsein, unter dem heiligen auge seiner stirn. und der luftkuss küsst den raum zwischen uns. den jeweils gefundenen raum. im frequenzbereich des hohen herzes. und in diesem erlassen, des deckmantels oder mäntelchens, seines abdankens … ist diese eine notwendige wunde, das ablösen der haut. unser universaler schrecken. welches in aller sänfte. ein „frei von“ zu einem „frei für“. ich meine, der rotwangige apfel, der herzschlag, eine tatsache, eine freude. haleˈluːja! in einem bezeugen.

die korallrote hand und die korallrote kette und das korallrote herz

und aus dem einen punktuellen, das entspringen / die fontanelle des universums. hinter der schattenwand ist das, was konstant ist & verfügbar bleibt. die korallrote hand und die korallrote kette und das korallrote herz als ein- und diesselbe gewissheit. zusammengefaltet mit rainer maria und ihnen allen / in einem touch / aus dem winkel mit dem blasebalg. auf- und ausgerichtet. im wagnis dieses einen seienden moments, dem mandelkern (amygdala). und in seiner ausdehnung, seiner verständigung. ist die gewalt entspannt, wenn es auch herzgewalt gewesen ist / der herzgriff. hierin ist jenes ausmaß von größe & dauer & konstanz. die begriffe verwirbeln sich im kreistanz / werden zunehemend unschärfer und universal / geben ihre symbolhaftigkeit auf. es liegt keine antwort in der antwort, die ich wortwörtlich geben kann. jene ist noch niemals wirksam gewesen, sondern bestätigte nur die angst. nun, wir kennen das bild soweit, wie es brauchbar ist. für die verkörperung der improvisations.